Das Spannungsfeld zwischen der gewachsenen Welt unserer Vorfahren und neuen Techniken und Möglichkeiten zeigt die Sonderausstellung „Kunst:Schnee" im Werdenfels Museum in Garmisch-Partenkirchen von 7. Februar bis 27. März auf.
Vorbilder von gestern - Idole von heute
Religion bestimmte das Leben, die Heiligen waren Begleiter im Alltag und Maria steht für Reinheit, Sieg über das Dunkle, über die Verführung durch die Schlange. Sie war Vorbild für Mädchen und Frauen, Wallfahrtsorte am Berg waren Ziel für Ausflüge. Heute ruft der Berg Tausende von Urlaubern, die mittels Aufstiegshilfe die Gipfel erklimmen, nicht zum Wallfahren, sondern für die Geschwindigkeit der Abfahrt, für das Essen im Selbstbedienungsrestaurant und zur Apré-Ski-Party.
Rennläufer und Sportlerinnen sind die neuen Vorbilder und Idole, nicht die Gläubigkeit, sondern die sexuelle Freizügigkeit sind Urlaubsreiz und Anspruch.
Schnee - die Basis vieler Träume
Gab es früher schneereiche Winter, traumhafte Landschaften, glitzernde Schneekristalle in bizarren Formen, so warten wir heute oft hart auf den ersten Schneefall. Doch die Technik und die Genialität so mancher Erfindungen macht es möglich, dass wir den weißen Traum selber erzeugen können. Luftfeuchtigkeit, Temperatur und Luftdruck sind Umweltbedingungen, die zur Kristallisation führen, sowohl bei natürlichem, als auch bei Kunstschnee. Die Ausstellung „Kunst:Schnee" zeigt eine Schneekanone und wir stellen die Frage, welche Unterschiede gibt es zwischen den Schneekristallen des natürlichen Schnees und den Eiskügelchen des künstlichen Schnees. Ist Schnee gleich Schnee?
Zugspitze als erster Fürst der bayerischen Gebirgswelt
„Seit 1851 steht auf dem Gipfel der Zugspitze ein Gipfelkreuz. Die treibende Kraft zur Errichtung dieses Kreuzes war Pfarrer Christoph Ott. Er sah die Zugspitze aus der Ferne und ärgerte sich darüber, dass „der erste Fürst der bayerischen Gebirgswelt sein Haupt kahl und schmucklos in die blauen Lüfte des Himmels emporhebt, wartend, bis patriotisches Hochgefühl und mut(h)volle Entschlossenheit es über sich nehmen würden, auch sein Haupt würdevoll zu schmücken." Durch seinen Einsatz stand ein 28-teiliges, 14 Fuß hohes, vergoldetes Kreuz aus Eisen auf dem Westgipfel. Dieses erste Gipfelkreuz der Zugspitze und seine Geschichte stehen in der Ausstellung „Kunst:Schnee" für die Schönheit der Berge, das gewaltige Panorama um die Zugspitze für die Entwicklung vom ersten Aufstieg, vom ersten Skifahr-Versuch bis hin zum Reiz des fast nicht mehr Möglichen (Extremsport).
Kleider machen Leute
Trachten, Bekleidung der Menschen, gewachsen im Laufe der vergangenen 200 Jahre drücken Wohlstand, kulturelle Zugehörigkeit, Feinsinn und Freude am Schmücken und am Schönen aus. Ihnen gegenüber zeigt „Kunst:Schnee" die futuristischen Entwürfe der „Bognerbekleidung". Winterbekleidung brauchen wir für das Überleben in einer Welt, die ohne wärmende Kleidung nicht für den Menschen geschaffen ist.
Sehnsucht nach der guten alten Zeit
Drei Räume des Museums erzählen von den Werten der „guten alten Zeit", von den Sehnsüchten, die in den Prospekten und Plakaten, in der Werbung für den Winterurlaub versprochen werden: Geborgenheit, positive Emotionen, Romantik, Erinnerungen an schöne Zeiten, in denen es keinen Stress und Leistungsdruck gab. War es früher wirklich so gut und werden unsere Sehnsüchte im Winterurlaub erfüllt? Lassen Sie sich überraschen von der Stimmung in der Rauchküche, in der warmen Stube und im Schlafzimmer des Werdenfels Museums und finden Sie Antworten auf diese Fragen.
Kunst : Schnee : Kunst
Gemälde und Fotografien verschiedener Künstler vollenden den Rundgang durch die Ausstellung und führen weg vom „Kunstschnee" hin zur Kunst rund um den Schnee.
Öffnungszeiten
Die Sonderausstellung „Kunst:Schnee" im Werdenfels Museum in Garmisch-Partenkirchen, Ludwigstraße 47, ist von 7. Februar bis 27. März 2011 jeweils dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Skisimulator ist immer von 13 bis 17 Uhr in Betrieb. Führungen für Gruppen gibt es nach Voranmeldung
Zum Skifahren ins Museum
Für Kinder ab zehn Jahren gibt es zur Sonderausstellung „Kunst:Schnee" mit Museumspädagogin Lilian Edenhofer ein museumspädagogisches Begleitprogramm. Gemeinsam entdecken wir bei unserem Rundgang durch die Ausstellung Spannendes und Lustiges zum Thema Kunst:Schnee, wir machen unseren Schnee selber und anschließend können wir am Skisimulator auch unser Talent im Rennsport testen. Termine sind am Samstag, dem 26. Februar, und am Samstag, dem 5. März, jeweils ab 15.00 Uhr. Für Schulklassen und Kindergruppen können Termine vereinbart werden. Anmeldung im Museum unter 0049 (0)8821/2134.