Felix Neureuther hat sich einen lang gehegten Traum erfüllt: Zum Abschluss der Saison hat er die internationale Konkurrenz in die Schranken gewiesen und den Slalom am Gudiberg gewonnen.
Felix Neureuther (SC Partenkirchen) hat mit einer insbesondere im unteren Teil des zweiten Laufs hervorragenden Fahrt den Grundstein für den Sieg im Slalom von Garmisch-Partenkirchen gelegt. Beim Saisonfinale am Gudiberg setzte sich Neureuther (1:43,63 Minuten) vor Manfred Pranger (AUT, 1:43,92 Minuten) und Andre Myhrer (SWE, 1:43,98 Minuten) durch - was für frenetischen Jubel bei den 10.000 Zuschauern sorgte. Neureuther: „Ich habe in dieser Saison vor allem durch Rückschläge viel gelernt. Ich war leider nicht immer so gut wie ich sein wollte. Mir fehlte einfach die Konstanz. Für die nächste Saison habe ich aber ganz andere Voraussetzungen, das hat man heute schon gesehen. Ich will noch viel besser und vor allem konstanter werden. Der Sieg heute war natürlich unglaublich. Hätte ich vor der Saison gesagt, dass ich in Kitzbühel und am Gudiberg hier zu Hause gewinne, hätte man mich für verrückt erklärt.“
Überaus spannend ging es im Kampf um die Slalomgesamtwertung zu, die schließlich Reinfried Herbst (AUT, 1:45,37 Minuten, Tagesneunter, 534 Punkte) für sich entschied: Sein schärfster Konkurrent, der Franzose Julien Lizeroux (1:44,08 Minuten, Tagesvierter, 512 Punkte), setzte sich mit einem sehr guten Finallauf vor Herbst an die Spitze des Klassements. Als sich dann einige Fahrer zwischen die beiden Konkurrenten schoben, sah es kurzzeitig so aus, als könne der Franzose die kleine Kristallkugel tatsächlich noch gewinnen - die virtuelle Führung in der Slalomgesamtwertung wechselte permanent zwischen Lizeroux und Herbst hin und her. Schließlich wurde aber auch Lizeroux von den Podestplatzierungen verdrängt, sodass er seinen Punkterückstand auf Herbst in der Slalomwertung (43 Punkte vor dem letzten Rennen) nicht mehr aufholen konnte. Nach dem ersten Durchgang hatten Herbst und Lizeroux die Plätze zehn und neun belegt. Felix Neureuther verbesserte sich mit dem Tagessieg auf Platz fünf der Slalomgesamtwertung.
„Ich möchte erst einmal Felix Neureuther zu diesem großartigen Sieg gratulieren, da hat er sich diese Saison zwei schöne Rennen ausgesucht. Und natürlich bin ich heute Felix besonders dankbar, weil ich ohne ihn die Slalom-Kugel vielleicht nicht gewonnen hätte. Eigentlich wollte ich es heute nicht so spannend machen. Ich war sehr angespannt und auch körperlich nicht mehr so fit nach der langen Saison. Im Ziel musste ich noch zittern, weil ich gar nicht genau wusste, wie es in der Slalom-Rangliste aussieht. Ich danke meinem Fanclub und meinem Bruder, der ihn leitet. Meine Fans haben richtig Gas gegeben, das ist wahnsinnig wichtig für einen Sportler. Ich freue mich auch, dass die Zusammenarbeit des Veranstalters mit den Fanclubs so gut funktioniert hat.“
Für Felix Neureuther war der Slalomsieg am Gudiberg der zweite Weltcupsieg - den ersten hatte er, ebenfalls in dieser Saison, vor den Olympischen Spielen in Kitzbühel erreicht. Der Lokalmatador lag nach dem ersten Lauf 65 Hundertstelsekunden hinter dem Führenden Manfrad Pranger (AUT) auf Platz fünf. Der Sieg in seinem Heimatort bewegte Neureuther sichtlich: "Es ist einfach unglaublich. Ich bin sehr glücklich, nach Kitzbühel nun auch am Gudiberg gewonnen zu haben. Der Sieg an meinem Hausberg war seit Jahren eines meiner großen Ziele. Das tut so gut, jetzt fehlen mir ein wenig die Worte."
Michael Janyk (CAN): „Es ist zwar bitter, das Podium verpasst zu haben, aber wirklich enttäuscht bin ich nicht. Glückwünsche an Felix, wo auch immer er heute feiern geht – ich gehe mit.“
Benjamin Raich (AUT): „Für mich lief das Rennen leider nicht gut. Ich wollte noch einmal zeigen, was ich kann. Aber als Zweiter im Gesamtweltcup brauche ich nicht enttäuscht zu sein. Ich freue mich für Reinfried Herbst, der den Slalomweltcup gewonnen hat. Das ist wichtig für das Team, denn in Österreich steht der Skisport ganz weit oben.“
Reinfried Herbst (AUT): „Ich freue mich riesig über den Slalomweltcupsieg. Danke vor allem an meine Fans - die Kugel habe ich auch für sie gewonnen!“
Julien Lizeroux (FRA): „Ich habe heute viel Energie in dieses Rennen gesteckt. 'Gib Gas, fahr so gut du kannst', habe ich mir selbst gesagt. Ich hatte eine gute Saison und bin froh, dass der Abschluss am Gudiberg war, denn ich mag diese Strecke sehr.“
Andre Myhrer (SWE): „Ich war in guter Verfassung, der Schnee war hervorragend. Die Piste ist zwar sehr schwierig, aber ich bin sehr stabil gefahren. Zwischen einem guten und einem schlechten Resultat liegt hier nicht viel.“
Reto Schmidiger (SUI): „Obwohl ich ausgeschieden bin, überwiegen bei mir die positiven Gefühle. Die ganzen Leute wie Didier Cuche und Carlo Janka haben mich toll ins Team integriert.“ (DNF)
Ivica Kostelic (CRO): „Ich bin absolut zufrieden. Ich hatte im letzten Durchgang wenig Kraft. Es waren einfach so viele Rennen diese Saison.“
Urs Imboden (MDA): „Ich habe Punkte geholt und genau das war mein Ziel. Dementsprechend zufrieden bin ich.“
Mitja Valencic (SLO): „Ich habe klassisch eingefädelt. Der Abschluss ist zwar enttäuschend, mit der Saison bin ich aber insgesamt sehr zufrieden.“ (DNF)
Steve Missilier (FRA): „Mit dem Ergebnis heute bin ich überhaupt nicht zufrieden. Die Piste war sehr schwer zu fahren. Die Saison war aber gut.“
Manfred Pranger (AUT): „Ich habe nochmal mein Bestes gegeben. Es ist ein super Gefühl, beim Weltcup-Finale auf dem Stockerl zu stehen.“
Felix Neureuther (GER): „Oben habe ich einen Fehler gemacht, aber ich habe mir einfach gedacht: Bring‘s runter! Es war einfach gigantisch, wie die Leute mich angefeuert haben. Aber ich hätte nie gedacht, dass sich Manfred Pranger das noch nehmen lässt.“
- So., 14.03.2010, Team - Damen/Herren, 10.30 Uhr
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