Eine barrierefreie Großveranstaltung durchzuführen ist eine große, aber auch richtungsweisende Herausforderung. Das Organisationskomitee der FIS Alpinen Ski Weltmeisterschaften 2011 (OK GAP 2011) hat sich diese Aufgabe zum Ziel gesetzt und will mit Stefan Deuschl als OK-Mitglied Zeichen setzen.
Stefan Deuschl ist selbst Rollstuhlfahrer und seit dem Winter 2009 Mitarbeiter im Organisationskomitee. Seine Arbeitsaufgaben, als „Beauftragter für die Belange gehandicapter Menschen“, liegen in der Verbesserung der Infrastruktur in den Veranstaltungsbereichen, um auch gehandicapten Menschen die ungehinderte Teilnahme an den Weltmeisterschaften zu ermöglichen. Dafür ist viel Einsatz, Entschlossenheit und Mut gefragt. Der ehemalige Bundeswehrsoldat bringt sich mit Analysen, Ideen und Lösungen in verschiedene Ressorts des OK ein. Damit kann etwas Richtungsweisendes erreicht werden, meint Stefan Deuschl: „Wir können beweisen, mit welch’ geringem Mehraufwand ein so großes Sportevent für „Alle“ veranstaltet werden kann.
Über dem Ziel „barrierefreie Ski-WM 2011 steht der Grundgedanke, dass Körperbehinderte nicht einfach nur dabei sein sollen, sondern gleichgestellt das Schneefest erleben können - und zwar mitten drin.
„Sport ist – egal ob als Aktiver oder als Zuschauer – eine der besten Möglichkeiten zur Integration“, spricht Deuschl aus eigener Erfahrung. „Die Bereitstellung vieler Helfer und Betreuer ist das Eine. Mittendrin heißt aber nicht besonders behandelt und deshalb ausgegrenzt. Die Behinderten sollen Spannung und Emotionen mit den „normalen“ Fans zusammen erleben.“
Um die Voraussetzungen dafür zu schaffen, arbeitet Deuschl seit letztem Winter mit viel Einsatz im OK. Die Weltcup-Veranstaltung 2009 wurde von ihm deshalb genau unter die Lupe genommen: Die Beobachtungen wurden genau analysiert, im Anschluss Verbesserungsideen entwickelt.
Verschiedene Umsetzungsmaßnahmen werden derzeit in die Konzepte der Ressorts eingebracht und mit den Verantwortlichen diskutiert. Schon im kommenden Jahr sollen die Maßnahmen zur Generalprobe beim Weltcup-Finale greifen.
Angefangen am Parkplatz bis hin zum Event-Park sind Lösungen gefragt. Denn der Weg ins Stadion ist oft die größte Herausforderung. Stefan Deuschl: „Schnee und Matsch sind im Winter enorme Hindernisse mit dem Rollstuhl. Deshalb gilt: Je kürzer die Distanzen sind, umso besser ist es. Sowohl für die Behinderten als auch für uns als Organisatoren, denn wir sparen Personal, Material und Aufwand.“
Die Bemühungen sollen aber auch über die Ski-WM 2011 hinaus einen Nutzen für Garmisch-Partenkirchen haben. Zum einen kann die Infrastruktur für Gehandicapte im gesamten Ort verbessert werden, zum anderen wird die WM eine Visitenkarte für die Olympiabewerbung mit München sein. Die Winterspiele 2018 sind untrennbar mit den Paralympics verbunden, die direkt im Anschluss stattfinden. Was wäre eine bessere Werbung, als vier Monate vor der Entscheidung eine wirklich barrierefreie und behindertenfreundliche Sportveranstaltung zu feiern?