Im letzten Weltcup-Rennen in Hinterstoder beschwerte sich Innerhofer noch, durch die hübschen Zuschauerinnen abgelenkt worden zu sein. Doch diese haben beim Super-G nicht gefehlt: „Ein paar hübsche Frauen haben im Ziel gewartet und deshalb hab ich mich mehr beeilt!“
Silbermedaillen-Gewinner Hannes Reichelt war nur froh, dass er im Ziel war und hätte sich am liebsten sofort hingelegt und geschlafen. Alles Sichten, Trainieren und Taktieren war auf der anspruchsvollen Piste umsonst: „Meine Taktik hab ich ungefähr nach dem vierten Tor ad acta gelegt, weil es so unruhig war. Ich habe nur noch gekämpft, auf der Linie zu bleiben“, so der Österreicher.
Ivica Kostelić, der beim Super-G-Rennen auf den dritten Rang raste, ging sogar noch einen Schritt weiter: „Ich war glücklicher, dass ich in einem Stück unten angekommen bin, als dass ich eine Medaille gewonnen habe. Heute war das schwierigste Rennen, das ich je bestritten habe in allen Disziplinen. Das war wirklich am Limit für den menschlichen Körper.“ Der Kroate prangerte vor allem die schattigen Sichtverhältnisse an, die den Blick auf die vielen Buckel verhinderten. „Dann können die Muskeln nicht genau auf jeden Schlag reagieren und die Schläge kommen auf die Gelenke. Ich habe wirklich gekämpft bis zum letzten Tor und schon vor dem Freien Fall war ich ganz kaputt.“ Um die verlorene Energie wieder aufzutanken wird Kostelić aller Voraussicht nach auf die Abfahrt verzichten und überlegt sogar, bei der Superkombi nicht anzutreten.
Auf Attacke zum Gold
Super-G-Weltmeister Christof Innerhofer dagegen hatte da eine ganz andere Meinung. „Ja, mir hat‘s gefallen da oben zu Fahren! Ich hab mir gedacht, so ein Rennen ist nur alle zwei Jahre und ich will nicht wieder Vierter werden wie bei der Weltmeisterschaft in Val d‘Isère oder bei Olympia.“ Im Gegensatz zu seinen Kollegen fand Innerhofer den Schnee „wunderschön“ und versuchte, Attacke zu fahren und die zwei Schlüsselstellen mit Kopf zu fahren. Zwei Jahre nach seinem Abfahrtssieg im Weltcup in Bormio motivierte ihn vor allem die Fahrt von Bode Miller, der nach einem Fahrfehler mit nur einem Stock die steile Piste herab raste. „Er hat zwar seinen Stock verloren aber er ist ziemlich entschlossen gefahren und dann hab ich mir gedacht: So entschlossen will ich auch fahren!“
Das Geheimnis seines Erfolgs war vor allem der Seilbahnsprung, eine der beiden Schlüsselstellen der Kandahar-Abfahrt, bei der er weit mehr ausholte als seine Konkurrenten. „Nachdem ich die Bilder gesehen hatte und nachdem ich gehört hatte, dass dort mehrere Probleme hatten, dachte ich mir: Da fahr ich mal lieber die Frauenlinie!“