Vor drei Jahren verlor Stefan Deuschl beide Beine bei einem Bundeswehreinsatz in Afghanistan, heute unterstützt der Garmisch-Partenkirchner die Ski-WM 2011.
Er hat ein Auge für die Dinge, die viele übersehen. Stefan Deuschl weiß aus eigener Erfahrung, was wichtig ist, damit behinderte Menschen Sportereignisse barrierefrei besuchen können. Dieses Wissen bringt der passionierte Skifahrer jetzt als Berater im Organisationskomitee für die Ski-WM 2011 in Garmisch-Partenkirchen ein. „Es sind viele kleine Dinge, auf die es ankommt, damit auch viele Menschen mit Behinderung als Zuschauer zur WM kommen“, erklärt Deuschl. Holzbretter und Gummi-Matten als Wege für Rollstuhlfahrer über den Schnee und abgesenkte Tribünen könnten ohne großen Aufwand eingesetzt werden, so der 41-Jährige.
Er ist Mitglied des Skiclubs Garmisch, selbst Rollstuhlfahrer, ehemaliger Soldat und Einheimischer. Als „Beauftragter für Belange gehandicapter Menschen“ vereint Deuschl gefächerte Erfahrungen und Kenntnisse, die die Organisatoren der Ski-WM nun für sich nutzen wollen. „Es ist wichtig, jemanden zu haben der einem in vielen Bereichen konstruktive Hinweise geben kann“, unterstreicht Geschäftsführer Peter Fischer. Deshalb wird Deuschls auch ressortübergreifend beraten. „Er wird schwerpunktmäßig das Logistik-Ressort unterstützen, gleichzeitig aber auch in den anderen Bereichen für einen behindertengerechten Ablauf sorgen“, beschreibt Martin Maurer, Leiter Logistik im OK GAP 2011, Deuschls Job.
„Gesunde Menschen tun sich schwer, die Bedürfnisse behinderter Personen nachzuvollziehen“, gibt Maurer zu. Das macht Deuschls Arbeit so wichtig. Er wird in Sachen Transport mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Parkplätze, bauliche Maßnahmen und Sanitäranlagen mit Rat und Tat zur Seite stehen. „Es geht darum, ob die Maßnahmen wirklich umsetzbar sind und in der Praxis funktionieren“, bringt es Deuschl auf den Punkt. Das wird er mit seinem Rollstuhl vor Ort testen und so einen weiteren wichtigen Beitrag leisten.
Deuschl hat viele Ideen und große Ziele. Sein Wunsch ist es, nicht nur das Sport-Ereignis Ski-WM, sondern Garmisch-Partenkirchen behindertenfreundlich zu gestalten. „Wenn wir die Barrierefreiheit nachhaltig realisieren können und ein gutes Konzept zur WM präsentieren, wird der Garmisch-Partenkirchen auch als Urlaubsort für Behinderte interessant.“ Es stecke viel Potenzial in einer gelungenen Umsetzung. Ab jetzt kommt viel Arbeit auf den ehemaligen Soldaten zu. Es werden Konzepte erstellt, dann nach und nach in die Praxis umgesetzt und bei Bedarf überarbeitet. Bis zur WM in gut zwei Jahren ist viel zu tun, die einzelnen Maßnahmen werden bereits bei den anstehenden Weltcups von 30.01. bis 01.02. auf ihre Funktionalität getestet.
Die Umsetzung von Deuschls Ideen soll das Organisationskomitee der Ski-WM 2011 einen Schritt näher an das erklärte Ziel bringen. Nämlich ein Skifest für Alle zu ermöglichen.